WAZ Leserbrief: „Engstirnigkeit bedeutet das Aus für den Baseball“

Zum Thema Baseball in Wolfsburg erreichte uns folgender Leserbrief: „Mir blutet das Herz – warum? Ich muß zusehen, wie mein Kind – der Wolfsburger Baseballsport – langsam, aber ganz gewaltig und fast unaufhaltsam zugrunde geht.

Ich habe es satt, überall nur von rosaroten Wolken wie Aufstieg in die erste Bundesliga und Junioren-EM auf der neuen, gerade entstehenden Baseball-Anlage am Freibad-West zu lesen und zu hören – die Wahrheit ist erschreckend und mich, der diesen Sport in Wolfsburg mit Argusaugen verfolgt, überfallt ein Gefühl der Machtlosigkeit.

Der Zustand im TSV Wolfsburg und seiner Baseball-Sparte (den Yahoos) ist so grausam, daß es sich nur schwer in Worte fassen läßt. Nur soviel: Die Sparte, immerhin bestehend aus einer 1. Mannschaft (2. Bundesliga), einem Farmteam (Landesliga) und einer Damen-Softballmannschaft, mit rund 90 Mitgliedern wird fast diktatormäßig von Generalmanager Thomas Huhnholz regiert. Zwar hat der Baseball in Wolfsburg auch ihm viel zu verdanken, doch seit Monaten überkommt ihn eine Engstirnigkeit, die – das möchte ich prophezeien – für den Baseball im TSV das baldige Ende bedeutet.

Für ihn und seine Mitstreiter gilt nur der Erfolg der Bundesligamannschaft. Selbstverständlich ist ein Bundesligist das Aushängeschild eines Vereins, aber wer speist diese Mannschaft? Ist es nicht auch die zweite Garde? Es wird verkannt, daß das Farmteam eine Notwendigkeit ist. Talente können hier gefördert und geformt werden, ehe sie den Sprung ins kalte Bundesliga-Naß wagen. Doch wenn die Obrigkeit vergißt, daß es in der Sparte auch den Nachwuchs gibt, dann ist das Ende sehr, sehr nahe.

Höhepunkte der Unstimmigkeiten untereinander ist dann sicherlich folgender: Das Farmteam kehrte erfolgreich von seinem Punktspiel in Salzgitter zurück nach Wolfsburg, um die erste Mannschaft in ihrem schweren Spiel um die Meisterschaft gegen die Bremen Crocodiles zu unterstützen. Wie schon so häufig taten die Jungs das mit voller Inbrunst und äußerst lautstark. Doch die gute Stimmung auf der Tribüne, die bis dahin mit rund 30 ’schweigenden Lämmern‘ besetzt war, war gar nicht gern gesehen.

Ronald Beiker, Coach ohne Aura und völlig unter dem Pantoffel von Thomas Huhnholz, ging auf die begeisternd mitgehenden Männer zu und bat sie in unfreundlichem Ton und peinlicher Manier ruhig zu sein. Original-Ton: ‚Bis ihr gekommen seid, war es ein faires Spiel.‘

Nicht genug damit, daß seitens des Farmteams wohl in Zukunft niemand mehr die erste Mannschaft unterstützen wird, ist damit die sparteninterne Bombe endgültig geplatzt. Vieles braute sich in der Vergangenheit zusammen. Keineswegs Kleinigkeiten – der Bundesligist darf sich auf Rosen gebettet sehen, doch der kleine Landesligist, der auch Beiträge zahlt, der auch Sponsorengelder bringt und dessen Trainer auf ihre Gage verzichten, um sie der Sparte zukommen zu lassen, der ist nur ein lästiges Übel, das sich wohl oder übel ertragen lassen muß.

Ich bin vielleicht nur einer, der seinen Mund aufmacht und jetzt ganz offen gegen diese Mißstände kämpft. Aber dieser Leserbrief ist das einzige Mittel, den vielen American-Sports-Fans in Wolfsburg einmal deutlich zu verstehen zu geben, daß bei den TSV Wolfsburg Yahoos nicht alles rosarote Wölkchen sind – ganz im Gegenteil, es herrscht ein Unwetter, dessen Ende zwar absehbar ist, aber dessen Ausgang nicht.

Mir blutet das Herz. Der Baseball in Wolfsburg, in seiner derzeitigen Form, ist mein Kind. Statt mein Kind aufwachsen zu sehen, muß ich sehen, wie es wenige Leute schaffen, es krank – unheilbar krank zu machen.“

Udo del Gallo,
Wolfsburg