US-Boy verstärkt „Yahoos“

Baseball: Spielertrainer aus Minneapolis für Wolfsburger Team

Baseball? Ist das nicht dieses langatmige, undurchsichtige Ballspiel aus Amerika, welches oft stundenlang andauert und das nur Eingeweihte wirklich verstehen? Nun, besonders populär ist Baseball in Deutschland tatsächlich nicht. Dennoch gibt es hierzulande einige engagierte Teams, die in der Baseball-Bundesliga um Meistertschaft und Punkte kämpfen. Darunter die „Yahoos“ aus Wolfsburg, die seit vergangenem Dienstag vom US-Boy Jason Matthew Doll verstärkt werden.

Mit Kevin Bau Brix haben die Wolfsburg Yahoos" einen weiteren erfahrenen ausländischen Spieler im Team. Foto: KüppersThomas Huhnholz, Manager der „Yahoos“, schaut dem 22-jährigen Amerikaner aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota fast ein wenig verträumt beim ersten Training zu: „Diese Amerikaner haben alle den selben Bewegungsablauf“, schwärmt der 42-jährige. Die fangen schon mit fünf, sechs Jahren mit dem Baseballspielen an und haben demzufolge ein ganz anderes Spielverständnis. Jason weiß in jeder Sekunde eines Spiels, was zu tun ist.“

Take Two: Spieler und Trainer in einem
Doll wird zusatzlich zu seinem Engagement als Spieler, die Wolfsburger gemeinsam mit seinem Teamkollegen Kevin Bau Brix aus Dänemark auch noch coachen. Dabei ist Doll nicht der erste Amerilkaner, der die „Yahoos“ unterstützt. Derek Clements, ebenfalls aus Minneapolis, ging bereits 1994 mit den Wolfsburgern auf Punktejagd und er war es auch, der den Kontakt zu Jason herstellte. Jasons Aufenthalt im „Baseball-Entwicklungsland“ Deutschland indes ist befristet. Bereits am 20. Oktober ist seine Heimreise geplant – pünktlich zum Saisonende in der Baseball-Bundesliga. Bis dahin erhält Doll von den „Yahoos“, die im TSV Wolfsburg organisiert sind, freie Kost und Logis sowie ein kleines Taschengeld.

Keine leichte Aufgabe für den Manager, Sponsorenbetreuer und "gute Seele" der "Yahoos". Thomas Huhnholz, der durch seinen Sohn vom Baseball Infiziert wurde, bleibt trotz aller auftretenden Schwierigkeiten Optimist: "Wer ein mal ein Baseball Spiel aufmerksam verfolgt, den läßt der Sport garantiert nicht mehr los." Foto: KüppersEine Investition, die den Baseballern nicht gerade leicht fällt, denn: ein Großteil des ohnehin schmal bemessenen Etats wird von den immensen Kosten für neue Bälle verschlungen. Pro Spiel werden etwa 30 bis 40 Bälle verbraucht. Stückpreis: 10 Mark!“, erklärt Huhnholz und rechnet weiter vor: „Außerdem muß die Heimmannschaft die Schiedsrichterkosten übernehmen. Da kommen dann schnell noch einmal 400 Mark an Ausgaben dazu. Etwa 15.000 Mark fehlen uns im Jahresbudget. um gut über die Runden kommen zu können, wir hoffen auf weitere Sponsoren. Doch die „Yahoos“ lassen sich von chronisch leeren Kassen nicht beeindrucken. Fast ausschließlich in Eigenarbeit haben die Baseballer ihr neues Stadion erstellt, in dem sie ihr erklärtes Saisonziel, einen gesicherten Platz im Mittelfeld, erreichen wollen. „Wir haben jetzt Platz für etwa 500 Zuschauer, die sich, falls es während eines Spiels einmal regnen sollte, nun auch unterstellen können.“ Auf die neue Arena ist Huhnholz aber auch aus anderem Grund stolz: „In ganz Deutschland gibt es lediglich eine handvoll Vereine, die ein eigenes Stadion haben. Oft wird auf umgebauten Fußballplätzen gespielt.

Nachwuchs dringend gesucht
Gute Aussichten also für die engagierten „Randsportler“, doch der Schuh drückt – neben den Finanzen – noch an anderer Stelle. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, stöhnt Huhnholz. „Wer auch immer Interesse hat, vielleicht einmal an einem kostenlosen Training in einem der zwei Herrenteams, in der Jugend- oder Juniorenmannschaft teilzunehmen, ist herzlich willkommen. Auch Mädchen oder Junge Frauen können die Baseball Variante Softball im Damenteam ausüben. Wer also Lust auf die (noch) Randsportart Baseball hat, kann sich auch mit der Rundblick-Redaktion in Verbindung setzen. Wir stellen den Kontakt zu den „Yahoos“ her oder leiten einfach die Adressen weiter.