„Saukerle“ mit Keule

Yahoos starten am 4. April in die neue Saison

Das Duell ist eröffnet! Selbstbewusst lächelt der Werfer, den Ball fest in der Hand, als er auf den Wurfhügel zuläuft. Hinter dem gegnerischen Schlagmann hockt der Fänger und beschreibt seinem Mitspieler per Handzeichen die Art des Wurfes. Mit einer weiten Armbewegung holt dieser aus und der Baseball fliegt mit einer Geschwindigkeit von über I 00 km/h auf sein Ziel zu, segelt knapp unter der geschwungenen Keule des Gegners hindurch und landet sicher im Handschuh des Fängers.

„Baseball wird zu 60 Prozent mit dem Kopf gespielt, die Taktik steht hier im Vordergrund. Aber auch sonst ist diese Sportart außergewöhnlich. Man muss laufen, schlagen und fangen – grundsätzlich sollte man alles können“, erklärt Cristian Rollo die Faszination am Spiel mit dem kleinen, weißen Ball. Bereits seit einigen Jahren frönt er dieser Leidenschaft bei den Yahoos – Wolfsburgs einzigem Baseballclub. Deutschlandweit teilen etwa 21 .000 Spieler Rollos Leidenschaft für diese Randsport Bereits 1839 fand in Amerika die erste Baseball-Partie statt, heute spielen die Liga-Profis täglich und verdienen Millionen-Gehälter. In Deutschland hingegen fehlt Vereinen wie den Yahoos noch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

1991 gegründet, konnten die „Saukerle“ bereits 1997 in der Bundesliga die Keule schwingen, wurden fünf Mal in Folge Pokalsieger des Niedersächsischen Baseball und Softball Verbandes und brachten mit Thorsten Wöhner sogar einen Nationalspieler aus ihren Reihen hervor. Die Realität gestaltet sich für die Sportexoten allerdings wesentlich schwieriger. Kein Sponsor und kein Nachwuchs – „leider sind hier alle nur auf Fußball getrimmt“, beklagt sich Rollo nicht ohne Grund. Hauptsache nicht Letzter werden, heißt dann auch das Saisonziel, wenn die Wolfsburger Yahoos am 4. April in die neue Saison der Bezirksliga starten. „Wir wissen nicht wirklich, was uns da erwartet. Viele Mannschaften haben sich neu gebildet und auch bei uns sind einige neue Spieler dabei, die erst mal Spielpraxis sammeln müssen“, so Rollo, der häufig als Werfer selbst auf dem Feld im alten Freibad West steht. Und auch im ersten Heimspiel der neuen Saison, wenn die Hannover Regents zu Gast sind, wird er wieder auf dem Wurfhügel stehen, den Ball in seinen Händen, „versuchen den Batter auszutricksen“ und mit dem ersten Wurf das Duell mit dem Schlagmann eröffnen.

Heft 112, April 2004