Das Erlebnis im Metrodome: Ein Homerun nachts um eins

In Amerika ist vieles anders. Mick Mullen, der neue US-Boy der Wolfsburg Yahoos, weiß das. „Das Wetter“, so erzählte der 22jährige Baseballer am Samstag nach seiner Ankuft in Wolfsburg, „ist in Minnesota ganz ähnlich.“ Aber ansonsten…

Nehmen wir zum Beispiel einmal diese Geschichte. Mit seinem Team der St.-John University, das in einer der NCAA-Ligen antritt, spielte und trainierte Mullen in den Wintermonaten im „Met“, dem berühmten Metrodome in Minneapolis.

Weil Nutzungszeiten in dieser Riesenhalle noch begehrter sind als im Wolfsburger Eispalast, mußte Mullen mit seinen Teamkollegen auch schon mal zu sehr später Stunde ran. „Einmal“, so erinnert er sich, „habe ich nachts um eins einen Homerun geschlagen.“ Wer kann das schon von sich sagen?

Sowas wird ihm in Wolfsburg nicht passieren. Der Mann mit zwei starken Armen (wirft mit links und schlägt mit rechts) ist gekommen, „um einmal im Leben Europa zu sehen.“ Das erste, was er vom alten Kontinent sah, war das Wohnzimmer der Familie Huhnholz in Westhagen, wo viele seiner neuen Teamkollegen, die Yahoos’n’Sisters und natürlich Manager Thomas Huhnholz und Ehefrau Anne den neuen US-Boy empfingen. Der fühlte sich gleich wie zu Hause, freute sich über die „familiäre Atmosphäre“, und testete seinen noch beschränkten Wortschatz. „Guten Tag“ klappt schon gut, „Ja“ und „Nein“ auch und am Samstag kam noch „Weizenbier“ dazu. Das reicht fürs erste.

„Das ist mein fünfter Sohn“, meinte Anne Huhnholz, als sie Mick am Kaffeetisch begrüßte. Was sie meint: Sie hat einen leiblichen Sprößling und jetzt den vierten US-Boy. Auch Mike Roehl, Dereck Clements und Mike Koalska wohnten und lebten wie jetzt Mullen, der im Alter von fünf Jahren mit dem Baseball anfing und auch Football, Eishockey und Fußball ausprobierte, bei den Huhnholz‘.

Mullen, „gelernter“ First-Base-Man, der gegen Bremen seinen Einstand feiern sollte, soll nicht nur spielen, sondern vor allem Spielertrainer Ronald Beiker bei seiner Arbeit unterstützen. Montags, mittwochs und freitags stehen die Übungseinheiten an. Und damit ihm nicht langweilig wird, soll er dienstags und donnerstags auch noch bei den GoGetters Tips geben. „No problem“ für Mullen, der genau weiß, wofür er ein halbes Jahr auf seine Heimat verzichtet. „Ich bin hier, um Baseball zu spielen.“