Baseball-Stadion bringt TSV in Not

Traditionsverein vom Laagberg leidet unter „klarer Fehlentscheidung“ – Vorsitzender erlässt Haushaltssperre

Der TSV Wolfsburg befindet sich wegen seines inzwischen kaum noch genutzten Baseball-Stadions in einer der schwersten Krisen seit der Vereinsgründung vor 54 Jahren. Zwar sei der Klub vom Laagberg „nicht unmittelbar“ in seiner Existenz bedroht, sagt Horst Riemann. Aber für diesen Monat hat der Vorsitzende eine Haushaltssperre erlassen. Der Grund: finanzielle Schwierigkeiten. Das Problem: Hilfe aus Politik und Verwaltung ist bisher ausgeblieben.

Riemann gibt zu: „Den Baseballplatz 1998 gebaut zu haben war eine klare Fehlentscheidung.“ Eine Fehlentscheidung, die den 600 Mitglieder umfassenden TSV derzeit in seinen Grundfesten erschüttert. „Wir leben von der Hand in den Mund“, gibt der Vorsitzende zu und gleichzeitig zu bedenken: „Es will zwar niemand gewesen sein, aber die Mitglieder haben diesem Projekt während einer Versammlung zugestimmt. Nicht der Vorstand allein ist für die Fehlentscheidung verantwortlich.“

Laut Riemann hat die schmucke Baseball-Anlage am Stadion West 250.000 Mark gekostet. Sie war sogar im Olympiakonzept Hamburgs als Austragungsort vorgesehen. Rund 50.000 Mark habe die Stadt getragen, die restlichen 200.000 Mark brachte der TSV auf, indem er einen Kredit aufnahm. „Damals haben wir an die Zukunft des Baseballs geglaubt. Unsere Mannschaft hat immerhin in der ersten Bundesliga gespielt“, erinnert sich Riemann. Außerdem hätten die Mitglieder der Baseball-Abteilung zugesagt, die Raten für den Kredit in voller Höhe aus Spartenmitteln abzuzahlen. „Schließlich sind genügend Sponsorengelder vorhanden“, habe die Argumentation gelautet.

Baseball-Stadion bringt TSV in Not

Es kam alles anders: Vor zwei Jahren mussten die Wolfsburger ihr Team mit Namen Yahoos aus der Bundesliga zurückziehen. “ Finanzielle Gründe waren dafür ausschlaggebend. Die wenigen Sponsoren waren zum Fußball-Bundesligisten VfL in die neue Volkswagen-Arena abgewandert“, weiß Riemann. Inzwischen spielt das Team in der Bezirksliga, der untersten Klasse überhaupt – und verfügt für seine „20, 25 Mitglieder“ über einen der besten Baseballplätze Deutschlands samt Tribüne. Die Kosten von 200.000 Mark müssen – anders als geplant – auch die übrigen Abteilungen Fußball, Tischtennis, Leichtathletik und Gymnastik tragen. „Das belastet sehr, zumal unsere Mitgliederzahl immer mehr zurückgeht. Vor zehn Jahren noch hatten wir 1.100, jetzt sind es nur noch 600“, sagt der TSV-Boss. Durch Beitragserhöhungen möchte der Klub seine Einnahmen erhöhen. „Das aber ist nur bedingt möglich und durchsetzbar“, hat Riemann festgestellt.

Keine Hilfe aus Politik und Verwaltung musste er bisher warten. Der Vorsitzende hatte gehofft, dass die Kommune den Platz übernimmt, aber Fehlanzeige. „Wir haben kein Geld“, diesen Satz bekam er schon oft zu hören, wenn er mit den Mitarbeitern des Sportamts oder führenden Mitgliedern des Sportausschusses sprach. Riemann weiß genau: Sein Verein muss sich selbst helfen. Aus diesem Grund hat der TSV Chef für diesen Monat eine Haushaltssperre veranlasst. „Wir erstatten nicht einmal mehr Fahrtkosten“, betont Riemann. „Wir leben nach strengen Regeln, können uns nichts mehr leisten ohne Hilfe von Sponsoren.“ Mangels finanzieller Mittel sei zum Beispiel die erste Fußballmannschaft aus der Bezirksklasse abgestiegen. Der TSV Boss: „Dort muss man gute Leute bezahlen, das aber konnten wir nicht.“ Voller Verbitterung sagt er: „Die Baseballer würde ich heute nicht mehr aufnehmen.“